Ernährung des Hundes
© Dr. Doris Quinten

Immer mehr Menschen achten auf ihre Gesundheit und bevorzugen in ihrem persönlichen Ernährungsverhalten „biologische“, d.h. vollwertige und möglichst naturbelassene Nahrungsmittel. Was liegt näher, als auch die vierbeinigen Freunde an diesem Gesundheitstrend teilhaben zu lassen. Wenn Sie sich entschließen, die Mahlzeiten Ihres Hundes aus frischen Produkten selbst herzustellen, sollten Sie über die ernährungsphysiologischen Bedürfnisse dieser Tierart genau Bescheid wissen, um Mangel- oder Fehlernährung zu vermeiden:
Der Hund ist ursprünglich ein Beutefresser. Die Beutetiere lieferten ihm nicht nur Muskelfleisch, sondern auch Innereien, Knochen und damit Mineralien, Körperfett, Blut und damit Salze sowie Ballaststoffe in Form von Fell.
Die ideale Hunderation sollte in ihrer Zusammensetzung dem eines Beutetieres weitgehend entsprechen. Ernährungsphysiologisch bedeutet das, dass das tägliche Menü folgende Komponenten enthalten sollte:

  • Eiweiß
  • Kohlenhydrate
  • Fette
  • Mineralstoffe
  • Vitamine und Spurenelemente

Als Grundsatz gilt: Vielseitig und abwechslungsreich füttern!

Eiweiß

Eiweiß ist vor allem in Muskelfleisch, Innereien, Eiern, Milchprodukten und Fisch enthalten. Der Hund benötigt wesentlich mehr Eiweiß als der Mensch, so dass bei dauerhafter Fütterung „vom Tisch“ Mangelerscheinungen auftreten können. Aber nicht nur die Menge sondern auch die Zusammensetzung des Eiweißes ist entscheidend für die optimale Versorgung. Eiweiß setzt sich aus verschiedenen Bausteinen, den Aminosäuren zusammen. Muskelfleisch, Fisch, Innereien und Eier sind hochwertige Eiweißträger. Sie enthalten das gesamte für den Hund notwendige Aminosäurenspektrum. Den Eiweißen in Bindegewebe (v.a. Flechsen) und in Pflanzen fehlen mehrere der erforderlichen Bausteine. Sie sind daher als alleiniges Hundefutter nicht geeignet.

Um eine ausreichende Eiweißversorgung zu gewährleisten, sollte ein gefüllter Futternapf etwa zur Hälfte hochwertige Eiweißträger und zur Hälfte Zusätze wie z.B. Reis, Flocken, Nudeln u.ä. enthalten. Beim alternden Hund (ab ca. 8 Jahre) empfiehlt es sich dann den Eiweißgehalt der Nahrung zur reduzieren, so dass nur noch 1/3 Eiweißträger in der täglichen Ration enthalten sind. Folgende Informationen sind bei der Verfütterung von Eiweißträgern zu beachten:

Muskelfleisch

Für den Hund wertvolle Muskelfleischsorten sind Rind-, Schaf-, Pferde-, Schwein-, Wild-, und Geflügelfleisch. Grundsätzlich kann das Fleisch (mit einigen Ausnahmen) roh, gekocht oder gebraten verfüttert werden. In rohem Fleisch sind Nährstoffe und Vitamine in unveränderter Form enthalten. Verfüttern Sie jedoch nur rohes Fleisch, das auch für den menschlichen Verzehr von seriösen Metzgern angeboten wird. Abfallfleisch oder Fleisch unbekannter Herkunft kann, wenn es roh gegeben wird, ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Vorsicht:

Schweine- und Geflügelfleisch dürfen niemals roh verfüttert werden.

Schweinefleisch kann das gefährliche Aujeszky-Virus enthalten; durch rohes Geflügelfleisch können sich die Tiere mit Salmonellen infizieren. Beide Fleischsorten müssen gekocht oder gebraten werden, wobei darauf zu achten ist, dass sie auch im Innern gar sind.
Die Gefahr, dass unsere Hunde sich durch rohes Fleisch mit Bandwürmern infizieren, ist gering. Durch die tierärztliche Fleischbeschau in Deutschland wird weitgehend verhindert, dass finnenhaltiges Fleisch von Schlachttieren in den Verkehr gebracht wird.
Finnen nennt man die eingekapselten Übergangsformen des Bandwurms in der Muskulatur des Zwischenwirtes z.B. Rind und Schwein. Wenn Sie jedoch ganz sicher sein wollen, frieren Sie das Fleisch vor dem Verfüttern im Gefrierschrank 2-3 Tage bei mindestens 15°C ein. Eventuell vorhandene Bandwurmfinnen werden dadurch sicher abgetötet.

Innereien

Entsprechend der Zusammensetzung der Beutetiere sollte die tägliche Ration des Hundes etwa 10-20% aus Innereien bestehen. Sie sind sehr vitaminreich. Roh verfüttert erzeugen sie oft Durchfall. Gekocht werden sie meist lieber aufgenommen.

Zu den für den Hund wertvollen Innereien zählen Nieren, Leber und Pansen (Vormagen des Rindes) Das Herz wird nicht den Innereien zugerechnet. Durch seine Faserstruktur zählt es zum Muskelfleisch und kann ebenso wie dieses in größeren Mengen verfüttert werden.

Nieren

Sie sind gut verdaulich und verfügen über ein großes Aminosäurenspektrum, d.h. sie enthalten hochwertiges Eiweiß. Daneben haben sie einen hohen Gehalt an Vitaminen und Spurenelementen (Zink, Kupfer). Da die Nieren jedoch zu den Ausscheidungsorganen gehören sind sie häufig mit Schadstoffen belastet. Füttern Sie daher Nieren höchstens einmal in der Woche.

Pansen (Magen vom Wiederkäuer)

Am wertvollsten ist der ungereinigte Pansen, da er viele Mikroorganismen und Vitamine enthält.
Vorsicht: Pansen riecht für die menschliche Nase nicht angenehm und sollte im Freien (z.B. Garten) verfüttert werden.
Da Kühe auf der Weide häufig Fremdkörper verschlucken, sollte der Pansen vor dem Verfüttern auf Metallstücke, Sand oder Steine kontrolliert werden.

Die Lunge hat nur wenig Fett. Sie ist nicht besonders gehaltvoll und eignet sich daher lediglich zur Volumenanreicherung bei Reduktionsdiäten. Gut gekocht mit anderem Fleisch zusammen wird sie gerne aufgenommen.

Die Leber ist reich an Vitaminen. Roh erzeugt sie oft Durchfall. Gekocht stopft sie manchmal.

Die Milz ist sehr bindegewebsreich und daher wenig verdaulich. Die Wertigkeit des Eiweißes ist gering.

Das Geschlinge gehört eigentlich nicht zu den Innereien, wird aber im landläufigen Sinn oft dazu gezählt. Es enthält häufig sehr viel Fett.

Auch das Euter ist keine Innerei. Wegen der Restmenge an Milch hat es einen hohen Kalziumgehalt, aber auch viel Fett.

Milchprodukte

Sie enthalten viel leichtverdauliches Eiweiß und sind daher eine wertvolle Ergänzung zur Fleischfütterung.
Der in Milchprodukten enthaltene Milchzucker führt jedoch bei manchen Hunden zu Durchfall. In diesem Fall kann als Alternative auf vergorene Milchprodukte wie z.B. Joghurt, Dickmilch oder Käse zurückgegriffen werden. Auch Quark wird häufig gut vertragen. Der körnige Hüttenkäse wird zusammen mit (in Wasser) gekochtem Milchreis als Durchfalldiät bei Darmerkrankungen empfohlen. Da das Kalzium/Phosphor-Verhältnis in Hüttenkäse nicht optimal für den Bedarf des Hundes ist, sollte Hüttenkäse nicht dauerhaft gefüttert werden.

Eier

Rohes Eiklar sollte nicht verfüttert werden. Es bindet das Vitamin H (Biotin) im Darm und kann dadurch zu Biotin-Mangelerscheinungen mit stumpfen Fell und infektionsanfälliger Haut führen.
Wegen der Gefahr einer Salmonelleninfektion sollte auch kein rohes Eigelb mehr verfüttert werden. Studien belegen, dass jedes dritte Ei mit Salmonellen infiziert ist. 1- 2 hartgekochte Eier, Rühr- oder Spiegeleier in der Woche werden jedoch gut vertragen.

Fisch

Viele Hunde lieben Fisch. Fische sind gesund und reich an verdaulichem Eiweiß. Rohe Fische und Schalentiere (z.B. Muscheln) enthalten jedoch ein Enzym, welches das Vitamin B1 zerstört. Daher sollten Fische und Schalentiere nur gekocht oder gebraten verfüttert werden, um Vitamin-B-Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Rohe Fische können (wenn auch selten) Finnen des Fischbandwurms enthalten, an denen sich auch unsere Haushunde infizieren können.
Vorsicht: Fischköpfe können Angelhaken enthalten.

Wurst hat in der Regel einen hohen Fettgehalt, wenig Mineralstoffe und Vitamine. Als Belohnung eignet sie sich jedoch besser als jedes industriell vorgefertigte „Leckerli“. Wiener Würstchen z.B. in Scheiben geschnitten oder auch ganz wird sicherlich jeder Hund gerne mögen.

Vorsicht: Plastikhüllen und Metallklammern in Wurstwaren können zum Darmverschluss führen.

Kohlenhydrate

Der Hund kann nur leicht verdauliche oder bereits angedaute (Mageninhalt der Beutetiere) pflanzliche Nahrungsmittel verwerten. Zur Fütterung eignet sich daher:
  • weich gekochter Reis
  • Hundeflocken
  • gekochtes Gemüse
  • Nudeln
  • Kartoffeln
  • gekochte Hirse
  • Cornflakes

Vollkornprodukte oder grobe Haferflocken sind nicht genügend aufgeschlossen und werden vom Hund zum größten Teil unverdaut wieder ausgeschieden. Manche Hunde reagieren darauf mit Durchfall.

Fette

Fette sind nicht nur Energielieferanten. Sie führen dem Körper essentielle (lebensnotwendige) Fettsäuren zu, ermöglichen die Aufnahme fettlöslicher Vitamine und dienen nicht zuletzt der Geschmacksverbesserung des Futters. Ist der Hund zu dick, muss selbstverständlich der Fettgehalt in der Nahrung reduziert werden.

Füttern Sie grundsätzlich keine Seetieröle (z.B. Lebertran). Diese Fette werden aufgrund ihres hohen Gehaltes an ungesättigten Fettsäuren so schnell ranzig, dass sie oft schon kurz nach dem Kauf verdorben sind. Sie führen dann bei empfindlichen Hunden zu schweren Leberfunktionsstörungen. Um einem Mangel an essentiellen Fettsäuren vorzubeugen, geben Sie pro Tag etwa 1 Esslöffel pro 10 kg Körpergewicht kaltgepresstes Pflanzenöl (Leinöl, Distelöl, Sonnenblumenöl aus dem Reformhaus) in den Futternapf zusammen mit der angebotenen Ration. Lagern Sie die angebrochene Ölflasche kühl und dunkel, am besten im Kühlschrank.

Mineralstoffe

Die Mineralstoffe Kalzium und Phosphat werden meist zusammen genannt, weil ihr Vorliegen im richtigen Verhältnis zueinander für den gesunden Knochenbau eine große Rolle spielt. Das optimale Verhältnis von Kalzium zu Phosphat in der Nahrung betragt 1:1 beim erwachsenen und 1.5 – 2:1 beim wachsenden Hund. Im Muskelfleisch und in Innereien ist relativ Phosphat und nur wenig Kalzium enthalten. Wenn der Hund, wie seine Vorfahren, ein Beutetier zusammen mit den Knochen fressen würde, wäre das Verhältnis ideal. Frisst er heute nur Fleisch und keine Knochen, entsteht auf Dauer Kalziummangel. 1 – 2 Kalbsknochen pro Woche liefern nicht nur die notwendigen Mineralstoffe, sondern reinigen auch das Gebiss von Zahnbelag. Milchprodukte enthalten viel Kalzium und sind eine hervorragende Ergänzung zum Fleisch.

Werden keine Knochen gefressen oder nicht vertragen (beim darmempfindlichen Hund), kann die Tagesration mit Mineralstoffpräparaten ergänzt werden. Aber Vorsicht: ein zuviel an Mineralstoffergänzungs- präparaten kann zu schweren Störungen des Bewegungsapparates führen. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach den geeigneten Präparaten und halten Sie sich genau an die Dosisangaben. Beim wachsenden Hund (vor allem bei großen Rassen) empfiehlt es sich, alle 2 Monate einen Bluttest durchzuführen, um eventuelle Mineralstoffimbalanzen rechtzeitig zu erkennen und zu regulieren.

Vitamine und Spurenelemente

Zusatzfutter
Es gilt die Regel: Alles, was schmeckt (außer natürlich Genussmittel wie z.B. Alkohol oder Kaffee) sind in Maßen erlaubt. So zum Beispiel auch ein Butter- oder Leberwurstbrot zusammen mit dem zweibeinigen Freund zum Frühstück, ein Stück Wurst oder Schokolade. Wie beim Menschen schaden kleine „Sünden“ nicht. Sie heben lediglich die Lebensfreude und stärken damit die Abwehrkräfte gegen Infektionskrankheiten. Erst wenn Ernährungssünden überhand nehmen, sind auf Dauer Schäden zu erwarten.

Achten Sie jedoch auf das Gewicht Ihres Hundes. Übergewicht ist eine der häufigsten Zivilisationsschäden auch beim Hund. Die daraus entstehenden Erkrankungen führen zu großen Leiden des Tieres.

Viel Spaß beim Zusammenstellen einer abwechslungsreichen und schmackhaften Kost für Ihren Hund!